Materialistische Sportarten #1: Segeln

27 06 2011

„Dialektiker sein heißt den Wind der Geschichte in den Segeln haben. Die Segel sind die Begriffe. Es genügt aber nicht, über die Segel zu verfügen. Die Kunst, sie setzen zu können, ist das Entscheidende.“

Walter Benjamin: GS V.1, S. 592 (Passagen-Werk, N9, 8 )





Deutscher Getränke-Sonderweg?

10 06 2011





„Unverpackte, natürliche, erdklumpenbehaftete Frische“

7 06 2011

 

„Die Angst vor den Ehec-Keimen hat in Deutschlands sonst so offenen Küchen eine bemerkenswerte Wirkung: Es ist ein backlash, der im technischsten Sinne des Wortes konservativ ist – eine Rückwärtsbewegung zum Eingemachten und Eingefrorenen.

Denn eigentlich ist ja Frische der zentrale Wert der Gesundheitswelle der letzten zwei, drei Jahrzehnte sowie der ganzen Promi- und Fernsehkochwelle der letzten Jahre: eine unverpackte, natürliche, erdklumpenbehaftete Frische, welche den industriellen Charakter der westlichen Lebensmittelproduktion unsichtbar machen und sich vom Einkaufskorb auf den essenden Menschen übertragen soll, der ohne Zusatzstoffe frischer lebt und frischer aussieht. Wie in anderen Warensegmenten, so soll auch bei den Lebensmitteln der Geschmack der Massenherstellung durch den Geschmack des individuellen, des guten alten Handwerks ersetzt werden, und die ländliche Frische ist der Garant dafür.

Nun aber, im Banne des gefährlichen Darmerregers, stellt sich ein seltsam gemischtes Gefühl bei den Mittelklassekindern der Wirtschaftswundergeneration ein. Zum einen ist da das schlechte Gewissen, aus hygienischen Gründen selbst all die abgepackten und vorbereiteten Massenprodukte wieder auf den Tisch zu holen, von denen man sich ja bewusst verabschiedet hatte – ebenjene Fertiggerichte, die man sonst gerne den eigenen Familien ausredet und den Kindern aus ärmeren Verhältnissen bei Schul-Aktionstagen abzuerziehen bemüht ist.“

Johan Schloeman: „Ans Eingemachte“





This is Kreuzberg II

7 04 2011

Nach Elke Tietz jetzt Waltraud Both:

„Die ham ja schon von Natur aus ne laute Stimme. Und besonders laute Stimmen haben – äh farbige Menschen. Ich weiß nicht, ob die alle schwerhörig sind, kann natürlich sein.“

http://www.spiegel.de/video/video-1119894.html

(via)

Gibts in der nächsten warmen Nacht eine laute Party vor Waltrauds Wohnung?





This is Kreuzberg

7 03 2011

„Das Maß ist voll!“ Die Kultur geht kaputt!“

Ihr Hinterhof ist inzwischen eingekesselt von Restaurants, und in den anderen Etagen, sie zeigt nach oben, „da wird untervermietet“. Bis in den Morgen stehen die Leute bisweilen auf dem Dach und grölen. „Ausländer, Engländer, die können sich solche Wohnungen leisten“, sagt sie.

Ihre Familie, sagt sie, ist dieser Kiez. Aber wenn sie ihn durchquert, sieht sie keine blühende Stadtlandschaft mehr, sondern Verfall, Verlust, ein Viertel im Abstieg. Im Sommer, sagt sie, wenn die Reisebusse sich entladen, stinkt es nach Urin, liegt morgens einer besoffen im Container. „Das könnte man noch ganz lustig finden, wenn es nicht mit dieser Vertreibung einhergehen würde.“ Den Rest des Beitrags lesen »





Thomas Bernhard: Gehen

25 02 2011

Thomas Bernhard wäre diese Woche 80 Jahre alt geworden. Anlässlich dessen sendete der Nordwestrundfunk heute eine neue Hörspiel-Produktion von Radio Bremen. Unter der Regie von Barbara Schäfer spricht der österreichische Schauspieler Johannes Silberschneider Bernhards Erzählung „Gehen“ von 1971.

Ein Mitschnitt der Sendung findet sich hier.

 

 





Israel’s next war

10 02 2011

Dass eine Betrachtung israelischer oder jüdischer Siedlungen im Westjordanland nicht immer so undifferenziert und offenbar aus tiefer Ablehnung gegen Israel motiviert sein muss, wie es in Europa der Fall ist, zeigt diese schon ein paar Jahre alte Dokumentation von Dan Setton über fundamentalistische Siedlergruppen. Hier könnte der ein oder andere noch die Erkenntnis gewinnen, dass der Staat Israel nicht der Dämon ist, als der er von taz bis SZ gezeichnet wird, sobald auch nur das Wort Siedlung fällt.

(via: wider die totalverblödung)





Das richtige Gründungsdokument?

10 02 2011

In der SZ von heute:

„Die Charta [der deutschen Heimatvertriebenen],  mit verfasst und unterzeichnet von SS- und SA-Funktionären sowie einem Beteiligten an dem Holocaust der ungarischen Juden, kann niemals – wie im Antrag der Koalition – als Gründungsdokument der Bundesrepublik bezeichnet werden“, kritisiert die Linken-Abgeordnete Luc Jochimsen.

 

1. Warum eigentlich nicht?

2. Was ist der Holocaust der ungarischen Juden?





Zum Begriff der Konsequenz

24 01 2011

Konsequenz (von lateinisch consequi folgen, erreichen) ist eine – oft zwingende, mindestens jedoch mögliche – Folgerung. [...] Formallogisch beschrieben ist eine Konsequenz eine Beziehung zwischen im einfachsten Fall zwei Sätzen, etwa: wenn A (der Fall ist), dann (muss oder wird vermutlich oder kann) B (der Fall sein). Die Beziehung zwischen den durch die Sätze A und B beschriebenen Sachverhalten kann eine logische Notwendigkeit sein, aber auch z.B. eine metaphysische Notwendigkeit oder eine durch Naturgesetze bzw. physikalische Gesetze beschriebene Ursachen-Folgen-Beziehung.“1

Die Forderung, nun doch endlich die Konsequenz aus seinem Denken zu ziehen und zu handeln, hört sich vertraut an. Gemeint ist hier nicht nur der theoriefeindliche Hinweis nun doch endlich praktisch zu werden und statt bei Lektüre und Lesekreis zu verharren in die schwarze Montur zu schlüpfen und Barrikaden anzuzünden. Zutreffen dürfte diese Aufforderung eher und in entscheidenderem Ausmaße auf den Übergang vom fundamentalistisch denkenden Islamisten zum Selbstmordattentäter. Die mehr oder weniger drängende Ermunterung aus den mörderischen Gedanken nun auch mörderische Taten entstehen zu lassen, dürfte sich wohl der ein oder andere suicide bomber vorher angehört haben. Und auch die Geschichte der deutschen Linken ist von dieser Forderung und ihrer mörderischen Konsequenz nicht frei: Doch endlich einzusehen, dass sie mit ihrer journalistischen Arbeit nichts bewege und sie sich dem bewaffneten Kampf anzuschließen habe, forderte man 1970 von Ulrike Meinhof. Sie tat es und schrieb kurz darauf: „und natürlich kann geschossen werden.“2 Den Rest des Beitrags lesen »





Still alive…

12 01 2011

Nachdem hier leider lange, all zu lange, große Stille herrschte, hier ein kurzes Lebenszeichen. War ich in der letzten Zeit viel mit anderen Dingen beschäftigt, die mich vom Schreiben für das Blog abhielten, werde ich in den nächsten Wochen wieder den ein oder anderen Beitrag verfassen – für den Fall jedenfalls, dass mein elaborierter 5-Wochen-Plan nicht von rational nicht zu erfassenden Faktoren auf den Müllhaufen der gutgemeinten Illusionen befördert wird. Den Rest des Beitrags lesen »








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