Materialistische Sportarten #1: Segeln

27 06 2011

“Dialektiker sein heißt den Wind der Geschichte in den Segeln haben. Die Segel sind die Begriffe. Es genügt aber nicht, über die Segel zu verfügen. Die Kunst, sie setzen zu können, ist das Entscheidende.”

Walter Benjamin: GS V.1, S. 592 (Passagen-Werk, N9, 8 )





This is Kreuzberg II

7 04 2011

Nach Elke Tietz jetzt Waltraud Both:

“Die ham ja schon von Natur aus ne laute Stimme. Und besonders laute Stimmen haben – äh farbige Menschen. Ich weiß nicht, ob die alle schwerhörig sind, kann natürlich sein.”

http://www.spiegel.de/video/video-1119894.html

(via)

Gibts in der nächsten warmen Nacht eine laute Party vor Waltrauds Wohnung?





This is Kreuzberg

7 03 2011

“Das Maß ist voll!” Die Kultur geht kaputt!”

Ihr Hinterhof ist inzwischen eingekesselt von Restaurants, und in den anderen Etagen, sie zeigt nach oben, “da wird untervermietet”. Bis in den Morgen stehen die Leute bisweilen auf dem Dach und grölen. “Ausländer, Engländer, die können sich solche Wohnungen leisten”, sagt sie.

Ihre Familie, sagt sie, ist dieser Kiez. Aber wenn sie ihn durchquert, sieht sie keine blühende Stadtlandschaft mehr, sondern Verfall, Verlust, ein Viertel im Abstieg. Im Sommer, sagt sie, wenn die Reisebusse sich entladen, stinkt es nach Urin, liegt morgens einer besoffen im Container. “Das könnte man noch ganz lustig finden, wenn es nicht mit dieser Vertreibung einhergehen würde.” Den Rest des Beitrags lesen »





Das richtige Gründungsdokument?

10 02 2011

In der SZ von heute:

“Die Charta [der deutschen Heimatvertriebenen],  mit verfasst und unterzeichnet von SS- und SA-Funktionären sowie einem Beteiligten an dem Holocaust der ungarischen Juden, kann niemals – wie im Antrag der Koalition – als Gründungsdokument der Bundesrepublik bezeichnet werden”, kritisiert die Linken-Abgeordnete Luc Jochimsen.

 

1. Warum eigentlich nicht?

2. Was ist der Holocaust der ungarischen Juden?





Zum Begriff der Konsequenz

24 01 2011

Konsequenz (von lateinisch consequi folgen, erreichen) ist eine – oft zwingende, mindestens jedoch mögliche – Folgerung. [...] Formallogisch beschrieben ist eine Konsequenz eine Beziehung zwischen im einfachsten Fall zwei Sätzen, etwa: wenn A (der Fall ist), dann (muss oder wird vermutlich oder kann) B (der Fall sein). Die Beziehung zwischen den durch die Sätze A und B beschriebenen Sachverhalten kann eine logische Notwendigkeit sein, aber auch z.B. eine metaphysische Notwendigkeit oder eine durch Naturgesetze bzw. physikalische Gesetze beschriebene Ursachen-Folgen-Beziehung.”1

Die Forderung, nun doch endlich die Konsequenz aus seinem Denken zu ziehen und zu handeln, hört sich vertraut an. Gemeint ist hier nicht nur der theoriefeindliche Hinweis nun doch endlich praktisch zu werden und statt bei Lektüre und Lesekreis zu verharren in die schwarze Montur zu schlüpfen und Barrikaden anzuzünden. Zutreffen dürfte diese Aufforderung eher und in entscheidenderem Ausmaße auf den Übergang vom fundamentalistisch denkenden Islamisten zum Selbstmordattentäter. Die mehr oder weniger drängende Ermunterung aus den mörderischen Gedanken nun auch mörderische Taten entstehen zu lassen, dürfte sich wohl der ein oder andere suicide bomber vorher angehört haben. Und auch die Geschichte der deutschen Linken ist von dieser Forderung und ihrer mörderischen Konsequenz nicht frei: Doch endlich einzusehen, dass sie mit ihrer journalistischen Arbeit nichts bewege und sie sich dem bewaffneten Kampf anzuschließen habe, forderte man 1970 von Ulrike Meinhof. Sie tat es und schrieb kurz darauf: „und natürlich kann geschossen werden.“2 Den Rest des Beitrags lesen »





Armer, kleiner Deutscher vs. “die Wolkenschieber des Zeitgeistes”

8 11 2010

Dass Martin Walsers Festrede zur Eröffnung der Ernst-Jünger-Ausstellung in Marbach ausgerechnet von der Süddeutschen Zeitung einen Ehrenplatz auf der ersten Seite des Feuilletons zugewiesen bekommt, verwundert nicht weiter. Macht die SZ doch allzu oft deutlich, dass von ihr nichts anderes zu erwarten ist, als billige Reproduktion dessen, was deutscher Geist in den kluggeredeten Köpfen angeblicher Denker so produziert. Und das, was dann während seiner Rede so aus dem Kopfe Walsers heraussprudelte, überrascht ebenso wenig. Den Rest des Beitrags lesen »





Demokratieidealismus 21

7 10 2010

Abgesehen von den vielsagenden Beispielen deutscher “Protestkultur”, sowohl Form als auch Inhalt betreffend, bieten die Diskussion über und der Protest gegen Stuttgart 21 den ein oder anderen interessanten Einblick:

Bei der Berichterstattung über die Diskussion zum Thema bei Plasberg ist Spiegel Online erstaunlich ehrlich, was die Aufgaben der Politik betrifft:

“Wie viel Aufstand verträgt die Demokratie?”, fragte Frank Plasberg angesichts des Bürgerprotests gegen den Stuttgarter Bahnhofsumbau. Eine Antwort wusste seine Talkrunde nicht. Aber sie zeigte: Stuttgart 21 beweist vor allem die Unfähigkeit der Politik, Entscheidungsprozesse zu vermitteln.

Zur Vermittlungsfunktion des Parlamentes, das nicht etwa existiert, um den Willen der Bevölkerung – oder des “Volkes”, als welches man sich in Stuttgart so gern inszeniert – zur Macht zu verhelfen, sondern dessen Aufgabe es ist die getroffenen Entscheidungen, die Herrschaft, der Bevölkerung zu vermitteln, hat Johannes Agnoli schon vor langen Jahren treffend geschrieben:

Wirken beim Konstitutionalisierungsakt und bei der Behandlng der “Anregungen” aus Bevölkerungskreisen immer noch Reste einer, freilich bereits transformierten Vertretungsfunktion mit, so entfallen sie gänzlich bei der Erfüllung der Herrschaftsaufgabe, die dem Parlament heute zuwächst. Sie zeigt sich schon in der Gesetzgebungsarbeit. Mit dem rechtlichen Akt, Beschlüsse öffentlich wirksam und allgemein verbindlich zu machen, verbindet sich der politische Akt, Beschlüsse überhaupt zu veröffentlichen und damit das Bekanntmachen politischer Entscheidungen, die sonst den Massen verborgen blieben und sie deshalb gleichgültig ließen. Die parlamentarische Bekundung schließ den von oben nach unten gehenden Willensbildungsprozeß ab: die Maßnahme verläßt das arcanum und muß befolgt werden. In integrierten Gesellschaften kann dies so weit gehen, daß selbst in der öffentlichen Meinung nur die Ansichten und Programme im wörtlichen Sinne gesellschaftsfähig sind, die von den Parlamentsparteien vertreten werden. Das Parlament fungiert hier also als Instrument der Veröffentlichung von Herrschaft.

(Johannes Agnoli: Transformation der Demorkatie, Freiburg 1990, S. 71f.)

Die Forderung also, die Politik solle sich doch endlich nach dem “Volkswillen” richten, geht an dem vorbei, was den bürgerlichen Staat eben ausmacht. Er ist schlicht nicht dafür da, sich nach dem Volkswillen zu richten – was angesichts des Volkes, nach dem er sich ansonsten richten müsste, wohl auch nicht das Schlechteste ist. Die Forderung nach mehr Mitbestimmung an diesen Staat zu richten – und ihn damit ja zuerst einmal zu affirmieren – ist nicht nur angesichts des Vorgehens des Staates gegen die Demonstranten naiv – oder schlimmeres.

Unbegreiflich jedenfalls ist es, wie Demonstranten während sie von deutschen Polizisten verprügelt werden, es fertig bringen noch die Nationalhymne eben des Landes zu singen, von dem die Polizisten bezahlt werden. Nimmt man sich in Stuttgart etwa als das “wahre Deutschland” wahr, das sich gegen “die Politik” zu verteidigen hat? Man wird schwer beantworten können, wie man sich das in Stuttgarter Köpfen so zurechtbiegt – widerlich bleibt die ganze Geschichte so oder so.





Die Bahn macht mobil…

22 09 2010

…seit 175 Jahren!





Die widerwärtige Weltsicht von Butler, Badiou und Zizek

14 06 2010

Da die Redaktion der Bahamas dankenswerter Weise die Redebeiträge der Kundgebung am Samstag online gestellt hat, kann ich nun auch auf einen hinweisen, der mir besonders gut gefiel.

Die leider von blogsport verbannte “Hedonistische Mitte – Gruppe Mondän” beteiligte sich mit einem sehr interessanten Redebeitrag an der Kundgebung: Thematisiert wurden angesicht der bevorstehenden Auftritte in der Volksbühne die gruseligen Positionen der Theoretiker Judith Butler, Alain Badiou und Slavo Zizek, kurz: ihre Sympathien für islamofaschistische, regressive Organisationen und ihr im Hass auf Israel sich verdeutlichende Antisemitismus.

Zu Butler klingt das dann – um hier mal zum Lesen zu motivieren – beispielsweise so:

„Queere Bündnisse und Antikriegspolitik“ heißt etwa der Vortrag, den Judith Butler – die wahrscheinlich weltweit bekannteste und einflußreichste Postfeministin sowie  diesjährige Trägerin des Zivilcouragepreises des Berliner CSD – am 18. Juni in der Volksbühne halten wird. Wenn Sie jetzt denken: „queere Friedenspolitik“ bzw. „queer … als Bündnisform zu thematisieren“, das könne ja gar nichts anderes meinen als Solidarität mit den Opfern des islamistischen Tugend- und Suizidterrors, mit allen Anders- und Nichtgläubigen also, vor allem den Juden, Frauen, Homosexuellen und jenen Individuen, die in der islamischen Welt ein wenig diesseitiges Glück – und sei es nur in Sexualität, Popmusik, Alkohol- oder Drogenkonsum – für sich beanspruchen, dann denken Sie zwar vernünftig, kennen aber Judith Butler nicht.

Da ich leider bisher mich nicht intensiver mit den sonstigen Positionen der drei Kritisierten beschäftigt habe, kann ich es nicht einschätzen, inwiefern die zitierten Aussagen in direkter Beziehung zu den jeweiligen Theorien stehen. Zumindest bei Butler aber ist es vor dem Hintergrund ihrer Beschäftigung mit Geschlechterforschung wohl klar, dass ein deutlicher Zusammenhang besteht. Eine emanzipatorische Theorie auf diesem Gebiet ist wohl kaum mit dem Abfeiern islamistischer Terrororganisationen kompatibel. Und selbst wenn – was ich leider nicht beurteilen kann – bei den beiden Übrigen die zitierten Aussagen nicht in direkter Beziehung zu den jeweiligen Theorien stehen, dann ist die vehemente Kritik an den Aussagen trotzdem richtig und notwendig. (Für nähere Hinweise und Einschätzungen zum Denken von Butler, Badiou und Zizek wäre ich sehr dankbar.)

Aber auch die anderen Redebeiträge seien wärmstens zu Lektüre empfohlen.





Stellt euch vor es ist WM und keiner schaut hin…

11 06 2010

So, heute beginnt also wieder dieser längst überholte Wettbewerb, bei dem die eine oder andere Nation ein mehr oder weniger gutes Team aus Fußball spielenden Männern in ein mit großer Mühe ausgewähltes und heiß diskutiertes Land schickt, um einen eher hässlichen Klumpen Edelmetall für 4 Jahre in diese ihre Nation zu beschaffen.

Wie also damit umgehen? Ignorieren, wäre wohl – dem Titel dieses Beitrags folgend – die naheliegendste Option. Doch gibt es nunmal unter den bei der WM vertretenen Nationen welche – oder eine? -, die immernoch schlimmer und unangehmer sind, all die übrigen. Es bleibt also wohl nur die klare Absage an jedes Feiern von deutschen Spielern, Siegen oder gar Endsiegen und das Hoffen auf ein baldiges Ausscheiden eben dieses Teams – vorzugsweise und ja durchaus möglich gegen England oder Amerika.

Jetzt wieder aktuell ist ja auch wohl folgendes:








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