Inglourious Basterds

31 08 2009

Gestern habe ich es nach langer Vorfreude – wer behauptet eigentlich immer, das sei die schönste aller Freuden? – endlich geschafft mir Tarantinos Inglourious Basterds anzuschaun. Dank des Casablanca in Bochum ging das Ganze sogar mit Originalton – was bei den Basterds ja eben nicht ausschließlich Englisch bedeutet.Ich musste dann aber leider feststellen, dass der Hype, der im Prinzip schon seit mindestens einem halben Jahr um den Film gemacht wird, die Erwartungen im Vorfeld so hoch geschaubt hat, dass sie wohl zwangsläufig enttäuscht werden müssen. Meine Erwartungen jedenfalls wurden es.

Zwar ist Inglouious Basterds kein schlechter Film, wenn mensch bedenkt, was sonst so über die Leinwände flackert, aber im Hinblick auf andere Tarantino-Filme und die vorher von allen Seiten praktizierte Lobhudelei dann trotzdem nicht das, was zu erhoffen war. Zwar ist Lt. Aldo Raine (Brad Pitt) ebenso wie der so oft und so hoch gelobte Hans Landa (Christoph Waltz) durchaus ein Tarantino-Charakter und auch ansonsten erkennt mensch oft, dass Tarantino am Werk war, der Film kommt aber auf keinen Fall an Pulp Fiction oder Reservoir Dogs heran. Anschließen kann ich mich da eigentlich nur einem Artikel aus der (meine ich) New York Times: Dort las ich, ein Problem des Films sei, dass Tarantino bei einem Film, der in den 40er-Jahren spielt, eben nicht so viele popkulturelle Anspielungen unterbringen kann, wie er es gewohnt ist. Genau diese Anspielungen sind es ja, die Tarantinos Dialoge so genial machen – gute Dialoge und die typische Komponiertheit, kommen bei den Basterds allerdings trotzdem vor. Ein so wunderbarer Dialog wie der über McDonalds-Burger in Pulp Fiction ist aber nunmal im Dritten Reich schwer möglich. Auch Freude bereiten die vielen Anspielungen auf amerikanische Symbolik, vom Baseballschläger mit dem Deutstsche getötet werden zum nach Kaugummi fragenden Führer. Dieser im Übrigen wird weitaus besser gezeigt als im deutschen Katastrophen-Film „Der Untergang“, inspiriert wohl bei Chaplin. Gut sind ebenfalls die vorher ja auch schon oft genug beschwörten Anlehnungen an die Italo-Western, unterlegt von Morricone-Musik.

Doch all das, genügt irgendwie nicht wirklich, um die so hohen Erwartungen zu befriedigen. Ob das nun am Film liegt oder einfach an der zu hohen Erwartungshaltung mit der ich ihn schon seit meinem ersten Blog-Eintrag über den Trailer erwartete, weiß ich nicht zu beantworten. Enttäuschend für mich dann auch die letztliche Auswahl der Szenen. Gegenüber dem ja ebenfalls veröffentlichten Drehbuch, sind einige – wie ich finde – wichtige und vor allem ebenso witzige wie Tarantino-typische Szenen nicht in dem Film aufgenommen worden. Schade drum!

Das Ansehen lohnt sich auf jeden Fall, immerhin ist es immernoch ein guter Film. Und auch ich werde ihn wohl ein zweites Mal sehen, und vielleicht diesmal mit passenderen Erwartungen.


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