Gerade nach meiner “Urlaubslektüre”, “Gomorrha” von Roberto Saviano (übrigens auch sehr zu empfehlen), mit der Lektüre von “Rote Armee Fiktion” von Joachim Bruhn und Jan Gerber (Hrsg.) begonnen. Hälfte von dem nicht allzu umfangreichen Buch hab ich dann auch schon geschafft – einschließlich des Beitrags von Jan Gerber – der Rest folgt wohl während des restlichen Nachmittags.
Doch schon jetzt lässt sich definitiv konstatieren, dass sich die Anschaffung gelohnt hat. Direkt im ersten Beitrag beschäftigt sich Joachim Bruhn mit der Bedeutung der Charaktermaske und der personifizierten und damit hoffnungslos verfälschten Kritik der RAF:
So musste die RAF ihr Ziel verfehlen, indem sie es traf, Hanns Martin Schleyer zum Beispiel. [...] Bei allem “Faschismus”-Gedröhne war nicht Rache und historische Gerechtigkeit ihr Interesse, sondern nur bißchen Agitprop gegens Finanzkapital, d.h., wie Christian Klar heute noch lallt, gegen die Verschwörung einer “internationalen Besitzerklasse” gegen die “Massen”, gegen das Volk und gegen “den Menschen” sowieso.
Joachim Bruhn: “Charaktermasken abschminken”. Rote Armee Fiktion S. 22
Für mich interessant, wie sehr Klar und der RAF-Jargon doch nach Elsässer klingen, was an mehreren aufhellend deutlich wird.
Und ebenso treffend schließt Bruhnmit dem Fazit:
Darum war die RAF niemals eine, wenn auch offnungslos verspätete, Fraktion jener Roten Armee, die die letzten Überlebenden von Auschwitz befreite.
ebd. S. 25
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Einige Seiten weiter gelingt es dann Jan Gerber die Ideologie der RAF in den Zusammenhang der Neuen bzw. deutschen Linken einzuordnen und in diesem Rahmen treffend auf die Gemeinsamkeiten von Antiimperialismus und Antisemitismus hinzuweisen:
In dieser Vorliebe für Verschwörungstheorien zur Erklärung des Weltgeschehens, in der Tendenz, Politik und Ökonomie zu personalisieren, im Verständnis von Herrschaft und Ausbeutung als fremden Machenschaften sowie in seinem binären Denken, das die Welt in gut und böse sortiert, weist das antiimperialistische Weltbild strukturelle Gemeinsamkeiten mit dem Weltbild des Antisemitismus auf. In der Vorstellung des Antisemiten steht die gute und harmonische “We-Group” dem absolut Bösen gegenüber, gesellschaftliche Verhältnisse werden personifiziert und verschwörungstheoretisch auf das klandestine Handeln einer hinterhältigen Macht zurückgeführt.
Wird das antiimperialistische Weltbild schließlich auf den Nahostkonflikt übertragen, so weitet sich die strukturelle Ähnlickeit zu einer inhaltlichen Übereinstimmung aus. Aus den “Imperialisten und profitgeilen Kapitalisten”, denen im Rahmen der personalisierten Geschichtssicht die Schuld an sämtlichem Unglück der Welt gegeben wird, wird assoziativ und zwangsläufig der geldgierige und bösartige Jude mit dem Namen Zionist. Aus der Macht der bürgerlichen Presse wird die Herrschaft der jüdisch-zionistischen Presse, aus der “kosmopolitischen Identität”, die die RAF dem Monopolkapital unterstellte, wird die kosmopolitische Identität des jüdischen Monopl- oder Finanzkapitals, und das Verständnis von Herrschaft und Ökonomie als Verschwörungszusammenhang von Finanzkapitalisten reproduziert bei seiner Anwendung auf Israel schließlich die klassischen antisemitischen Sterotypen der versteckten jüdischen Zersetzung und Weltverschwörung.
Jan Gerber: Schalom und Napalm. Rote Armee Fiktion S. 62f
Bleibt also nur noch die Empfehlung: Lesen! Definitiv ergiebiger und wichtiger als der unvermeidliche Aust und in jedem Fall der unsäglichen Verfilmung des Standartwerkes vorzuziehen. Schließlich werden hier Hintergründe geliefert, die woanders fahrlässig ausgelassen werden.




Ich beschäftige mich seit Jahren wissenschaftlich – also erkenntnisinteressiert und verstehend – mit dem Phänomen „Antisemitismus“ (www.profiprofil.wordpress.com), doch von diesbezüglichen „Verschwörungstheorien“ habe ich bisher noch keine wirklich kennengelernt, sondern von ihrer Existenz immer immer nur über Sekundärliteratur – wie dem im folgenden von mir kritisierten Buch von Jan Gerber: „Schalom und Napalm. Rote Armee Fiktion“ – Kenntnis erlangt.
Dessen Ansichten scheinen mir in folgenden Punkten diskussionswürdig zu sein:
1. „In dieser Vorliebe für Verschwörungstheorien“ (Gerber) ist Herr Gerber selbst wohl von niemandem zu übertreffen, hat sich seiner Meinung nach doch die gesamte „deutsche Linke“ gegen „Israel“ verschworen.
2. Die von ihm zu Recht kritisierte „Tendenz, Politik und Ökonomie zu personalisieren“ ist nun geradezu das krasse Gegenteil einer wirklich „linken Denke“, sondern genau das Hauptmerkmal jener Bildungseinrichtungen und Massenmedien, die mit den Instrumenten der Volksverdummung Profit machen können.
3. Dass diese Personalisierung der politischen Debatten – Gerber meint bezeichnenderweise nicht die Boulevardmedien, nicht Bush, nicht Netanjahu, nicht Ahmadinedschad und sicherlich auch nicht sich selbst, wenn er vom „binären Denken, das die Welt in gut und böse sortiert“ spricht – dass diese Entstrukturalisierung der Denkweisen „strukturelle Gemeinsamkeiten mit dem Weltbild des Antisemitismus“ aufweisen soll, das ist eine diskussionswürdige These, doch keine Kritik an einem wirklichen – im Gegensatz zum eingebildeten – Linken, der damit wirklich nichts zu tun hat!
4. Clever wie jeder Demagoge – also im Unterschied zu mir – so verzichtet auch JanGerber darauf, den Kampfbegriff „Antisemit“ zu definieren, jedoch auch bei ihm um den Preis, dass die Keule, die er als Dämonisierer schwingt, ihn selber trifft, was er dann – als gelernter OPFERMENTALITÄTER, der er ist (www.profiprofil.de) – wiederum zu seiner Selbstbestätigung als „antisemitischen“ Angriff verkaufen dürfte…! Volkstümlich gesprochen handelt es sich hier um die rhetorische Masche der „self fullfilling prophecy“.
5. Interessant sind ja prinzipiell Projektionen, die auch so einer wie Gerber entäußert, wenn er z. B. schreibt: „das Verständnis von Herrschaft und Ökonomie als Verschwörungszusammenhang von Finanzkapitalisten reproduziert bei seiner Anwendung auf Israel schließlich die klassischen antisemitischen Sterotypen der versteckten jüdischen Zersetzung und Weltverschwörung.“ Ich frage ihn: wer denkt so, und wenn bekannt: welche Person ist das, welche Macht kommt ihr zu – ganz davon abgesehen, dass es erlaubt ist, eine solche Meinung zu äußeren, jedenfalls in den USA!? Die Masche des J. Gerber ist es, Schlagworte miteinander in Beziehung zu setzen, die allerdings nur dann einen wirklichen Sinn ergeben, wenn man davon ausgeht, dass mit dem Antisemitismusvorwurf die wirkliche Ursache aller Finanz- und Wirtschaftskrisen – das spekulative Finanzkapital als solches – vor Entmachtung geschützt werden solle. Ist die von Gerber praktizierte Tabuisierung einer „Kritik der politischen Ökonomie“ das wirkliche Interesse des J. Gerber und der deutschen Israel-Lobbyisten?!
Abschließend möchte ich nicht versäumen, darauf hinzuweisen, dass Karl Marx in seinem Essay „Zur Judenfrage“ (http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_347.htm ) bereits 1843 das Wesentliche zu der von Gerber angeschnittenen Thematik gesagt, so dass ich mich der Empfehlung des Blogs „dissonanz“ anschließen kann, die da lautet:
„Lesen! Definitiv ergiebiger und wichtiger als der unvermeidliche Aust und in jedem Fall der unsäglichen Verfilmung des Standartwerkes vorzuziehen. Schließlich werden hier Hintergründe geliefert, die woanders fahrlässig ausgelassen werden.“
[...] wie in Deutschland die RAF zu einen krankhaften Auswuchs der Studentenbewegung pervertierte, war die “Manson [...]
Ich werde mir nun nicht die Mühe machen, den Beitrag von Profilprofi bis ins Kleinste Detail auseinander zu nehmen, denn er strotz vor Fehlern, die Monsieur natürlich auch in hundert Jahren nicht erkennen wird – wie jeder gute Antisemit.
Ich beschränke mich daher, nur für den Fall, dass es weitere Leser gibt, die einem solchen Dampfplauderer noch applaudieren wollen, auf das notwendigste, nämlich der Demaskierung des Herren als – schlechten – Lügner.
“Ich beschäftige mich seit Jahren wissenschaftlich – also erkenntnisinteressiert und verstehend – mit dem Phänomen „Antisemitismus“ (www.profiprofil.wordpress.com), doch von diesbezüglichen „Verschwörungstheorien“ habe ich bisher noch keine wirklich kennengelernt,”
Wie auch immer sich ein “Verstehender” mit Antisemitismus beschäftigen mag, man könnte unter Umständen monieren, dass bei einer Jahrelangen Beschäftigung mit dem Antisemitismus man doch recht flugs auf Verschwörungstheorien stößt.
Man würde zum Beispiel, nach allerlängstens (!) einer Stunde wissenschaftlicher Beschäftigung auf dieses http://de.wikipedia.org/wiki/Protokolle_der_Weisen_von_Zion
Dokument stoßen, ist es doch eines der Wirkungsmächtigsten in allen antisemitischen Kreisen.
Aber, jemand der für so eine grundlegendste wissenschaftliche Recherchearbeit, die in wenigen Minuten bewältigt ist, mehrere Jahre braucht – wissend und verstehend – der wird auch den restlichen Müll wohl noch verzapfen, wenn er auf dem Totenbett liegt.